Hyperliquids Weg in die USA: Kraken-Mutter steigt ein, HIP-3 öffnet den Zugang
BlockbeatsOriginaltitel: „Hyperliquids US-Eintritt enthüllt, Einschränkungen bleiben streng“
Originalautor: Azuma, Odaily News:
Am 16. September gab Payward, die Muttergesellschaft von Kraken, offiziell bekannt, wie das Unternehmen mit Hyperliquid zusammenarbeitet und wie dessen Produkte und Dienstleistungen in den US-Markt eingeführt werden sollen.
Laut Ankündigung plant Payward, über seine Handels- und Clearing-Tochter Bitnomial sowie den Futures-Broker NinjaTrader Clearing einen auf HIP-3 basierenden Markt für maßgeschneiderte Perpetual-Futures im Hyperliquid-Mainnet aufzubauen und diesen Markt für qualifizierte US-Nutzer zu öffnen.
Trumps Ankündigung nimmt endlich Gestalt an
Die ersten Hinweise auf Hyperliquids US-Eintritt reichen bis zu Trumps Rede im Weißen Haus im vergangenen Monat zurück.
Zuvor galt der Offshore-Charakter von Hyperliquid stets als Schwachstelle in Sachen Compliance. Doch als Trump persönlich sagte: „Michael (CFTC-Vorsitzender Michael Selig) arbeitet ebenfalls daran, Hyperliquid auf vollständig konforme und legale Weise in die USA zu bringen“, begann der Markt zu spekulieren, wie Hyperliquid in den größten Finanzmarkt der Welt eintreten würde.
Am Tag nach Trumps Rede entdeckte die Blockworks-Analystin Shaunda Devens, dass ein Deployer namens „Kraken HIP-3 test DEX“ im Hyperliquid-Testnetz die Berechtigungsverwaltung (Star Gating) aktiviert und am 19. August Tests gestartet hatte. Devens vermutete daraufhin, dass Kraken zu den ersten US-zentralisierten Handelsplattformen gehören könnte, die mit Hyperliquid kooperieren.
Am 1. September bestätigte ein Bloomberg-Bericht diese Vermutung: Hyperliquid führe fortgeschrittene Verhandlungen mit Payward, der Muttergesellschaft von Kraken. Sollte die Zusammenarbeit die behördliche Genehmigung erhalten, könnten US-Nutzer über Bitnomial bestimmte Perpetual-Futures handeln, die an Token-Preise auf der Hyperliquid-Blockchain gekoppelt sind.
Gestern bestätigte Payward schließlich die Details der Zusammenarbeit mit Hyperliquid. Laut Ankündigung bringt Payward Hyperliquid nicht als Ganzes in die USA, sondern beginnt mit HIP-3 und setzt auf der Hyperliquid-Blockchain einen genehmigungspflichtigen Markt für Perpetual-Futures für US-Nutzer auf.
Konkret wird die von der CFTC regulierte Bitnomial den HIP-3-Markt auf Hyperliquid bereitstellen und für Erstellung, Eigentum, Verwaltung sowie Clearing und Abwicklung der Kontrakte verantwortlich sein. NinjaTrader Clearing, ebenfalls zu Payward gehörend und bei der CFTC registriert, verwaltet die Konten der US-Kunden. Die jeweiligen Einheiten übernehmen die entsprechenden regulatorischen und Compliance-Pflichten.
Das bedeutet: Der Handel selbst findet weiterhin auf der Hyperliquid-Blockchain statt, Orders werden weiterhin über das On-Chain-Orderbuch (Orderbuch auf der Blockchain) abgeglichen und aufgezeichnet. Doch Konten, Clearing und Compliance für US-Nutzer werden von den regulierten Einheiten unter Payward verantwortet. Laut Payward können US-Kunden über den registrierten Broker ein Futures-Konto eröffnen und diese neuen Perpetual-Futures auf Hyperliquid handeln; nach behördlicher Genehmigung werden die Produkte gemäß den Regeln von Bitnomial gelistet.
Aus dieser Perspektive hat Hyperliquid einen Weg gefunden, seine On-Chain-Infrastruktur in den US-konformen Rahmen für Derivate einzubetten: Hyperliquid stellt die zugrunde liegende Blockchain, das Orderbuch und die Handelsinfrastruktur bereit, während US-konforme Einheiten wie Payward US-Nutzer, Broker, Clearing und regulatorische Anforderungen anbinden.
Einschränkungen bleiben bestehen
Ein weiteres wichtiges Detail der Ankündigung: Der US-Eintritt von Hyperliquid unterliegt weiterhin deutlichen Einschränkungen bei den angebotenen Produkten und Dienstleistungen.
Erstens muss das ursprünglich offene Handelserlebnis von Hyperliquid auf dem US-Markt mit einem strengen Zugangsmechanismus versehen werden. Payward stellt klar, dass nur Konten, die von NinjaTrader geprüft und sowohl auf die Whitelist von NinjaTrader als auch von Bitnomial gesetzt wurden, an diesen Märkten teilnehmen dürfen. US-Nutzer können also nicht wie Nutzer in anderen Regionen direkt auf Hyperliquid zugreifen und frei handeln, sondern müssen zuerst das regulierte Kontosystem durchlaufen.
Zweitens umfasst der derzeit offengelegte Umfang nur den von Bitnomial bereitgestellten HIP-3-Markt, nicht alle bestehenden Perpetual-Futures im Hyperliquid-Mainnet. Das bedeutet: Selbst wenn die Produkte künftig genehmigt werden, hängt es weiterhin von Payward, Bitnomial und dem US-Regulierungsrahmen ab, welche Vermögenswerte US-Nutzer handeln können, wie viel Hebel erlaubt ist und ob sie später Zugang zu anderen Märkten auf Hyperliquid erhalten – und nicht allein vom Hyperliquid-Protokoll selbst. Genauer gesagt schafft Payward auf Hyperliquid eine „Compliance-Zone (konforme Zone)“ für US-Nutzer.
Diese Zusammenarbeit stellt also eine Verbindung zwischen dem US-Regulierungssystem und der On-Chain-Handelsinfrastruktur von Hyperliquid her – keine vollständige Öffnung des US-Marktes für Hyperliquid.
Gesetzgebung blockiert, Regulierung schreitet voran
Interessanterweise gab es am selben Tag, an dem Payward den US-Eintritt von Hyperliquid bekannt gab, eine weniger optimistische Nachricht aus dem US-Krypto-Regulierungsumfeld: In den frühen Morgenstunden des 16. September (Pekinger Zeit) scheiterte der CLARITY Act im US-Senat mit 49 zu 50 Stimmen bei einer Verfahrensabstimmung. Das Gesetz hätte die regulatorischen Grenzen für digitale Vermögenswerte per Kongressgesetz klären und die Zuständigkeiten von SEC und CFTC in verschiedenen Märkten für digitale Vermögenswerte abgrenzen sollen.
Doch abseits des Kongresses ist die praktische Umsetzung der US-Krypto-Regulierung nicht völlig zum Stillstand gekommen. In diesem Jahr haben SEC und CFTC bereits durch Auslegungen, Leitlinien, No-Action Letters (Unbedenklichkeitsbescheinigungen) und andere bestehende Instrumente die regulatorischen Grenzen für bestimmte digitale Vermögenswerte und Derivate kontinuierlich präzisiert.
Die beiden Ereignisse von gestern zusammengenommen zeigen den tatsächlichen Stand der US-Krypto-Regulierung: Auf Kongressebene fehlt weiterhin ein vollständiges Regelwerk, doch die Regulierungsbehörden nutzen bereits ihre bestehenden Befugnisse, um Schritt für Schritt umsetzbare Compliance-Pfade für On-Chain-Handel, Perpetual-Futures und andere Produkte zu finden.
Für Hyperliquid ist die Zusammenarbeit mit Payward vielleicht ein Sinnbild für dieses regulatorische Umfeld. Statt auf ein vollständiges neues Gesetz zu warten, das den US-Markt öffnet, nutzt Hyperliquid bestehende Lizenzen und Infrastrukturen wie Bitnomial und NinjaTrader, um den On-Chain-Handel in den Rahmen einzupassen, den die bestehenden Regeln zulassen. Man kann also weniger sagen, Hyperliquid sei bereits „in die USA eingetreten“, sondern vielmehr, dass es endlich einen Weg gefunden hat, den Eintritt zu versuchen. Wie weit dieser Weg trägt, hängt letztlich von behördlichen Genehmigungen, den handelbaren Vermögenswerten und der künftigen Struktur des US-Kryptomarktes ab.
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