NEAR setzt Rally fort: KI-Agenten-Narrativ wandelt sich von Story zu Handel
cryptonewsTL;DR
·NEAR ist in den letzten 24 Stunden um fast 16 % gestiegen und notiert bei etwa 2,82 USD. Der Kurs testet die obere Grenze der Seitwärtsrange seit diesem Sommer.
·Das Open Interest bei NEAR-Futures ist auf rund 656 Mio. USD gestiegen und nähert sich dem Jahreshoch. Das deutet darauf hin, dass der Anstieg von neuem Leverage-Kapital begleitet wird und nicht nur auf Short-Eindeckungen beruht.
·Statt des klassischen Layer-1-Narrativs preist der Markt NEAR zunehmend als Handels- und Abwicklungsinfrastruktur für KI-Agenten. Der Antrag von Grayscale auf einen NEAR-ETF und das Krypto-ETP von T. Rowe Price untermauern dieses Narrativ.
·NEAR Intents hat kumuliert über 19 Mio. Transaktionen und ein Volumen von 14 Mrd. USD über 35 Blockchains abgewickelt und wird kontinuierlich auf Privacy-Assets wie Zcash ausgeweitet.
·Allerdings ist der kurzfristige RSI von NEAR auf etwa 71 gestiegen, und der Preis nähert sich dem wichtigen Widerstand bei 3 USD. Der Artikel weist zudem darauf hin, dass sich die September-Rally bislang nur schwer auf einen einzelnen klaren Protokoll-Katalysator zurückführen lässt und Momentum-Trading weiterhin einen erheblichen Anteil hat.
NEAR rückt wieder in den Fokus des Marktes.
Am 17. September stieg der Kurs des NEAR-Protocol-Tokens zeitweise auf etwa 2,82 USD, ein Plus von fast 16 % innerhalb von 24 Stunden. Damit nähert er sich der oberen Grenze der Seitwärtsrange, die sich seit Juni dieses Jahres gebildet hat. Gleichzeitig steigt das Open Interest bei NEAR-Futures kontinuierlich, und auch der im Ökosystem gebundene Wert sowie das Spot-Handelsvolumen erholen sich.
Doch wichtiger als die Aufwärtskerze selbst ist die Frage, wie der Markt NEAR neu bewertet: Das Projekt versucht, sich von einer gewöhnlichen Layer-1-Blockchain zu einer kettenübergreifenden Handels- und Abwicklungsinfrastruktur für KI-Agenten zu entwickeln.
Genau darin sieht ETHNews die wichtigste mittelfristige Logik hinter der aktuellen Rally.
Das KI-Narrativ wandelt sich von der Story zur Kapitalbewertung
Im vergangenen Jahr hat NEAR seine Verbindung zu KI kontinuierlich gestärkt.
Das Projekt positioniert sich inzwischen öffentlich als Blockchain für KI und hat die Kombination von KI mit Intents, nutzereigene KI sowie den Ausbau von NEAR Intents zu einer wichtigen On-Chain-Handelsinfrastruktur in seine Roadmap aufgenommen.
NEAR-Mitgründer Illia Polosukhin hat zudem mehrfach betont, dass Datenschutz in der KI-Agenten-Ökonomie zu einer zentralen Infrastruktur werden könnte: Wenn autonome Agenten künftig im Auftrag von Nutzern Daten halten, Transaktionen ausführen und kettenübergreifend agieren, wird die Frage „Wem gehören die Daten, und wie können Agenten sicher darauf zugreifen?“ zum Kernthema.
Dieses Narrativ ist in diesem Jahr zunehmend auch in den Blick traditioneller Anleger gerückt.
Im Januar 2026 reichte Grayscale einen Antrag ein, um den Grayscale NEAR Trust in einen Spot-ETF umzuwandeln. Im Juli legte T. Rowe Price ein aktiv verwaltetes Multi-Token-Spot-Krypto-ETP auf, in dessen Produktallokation auch NEAR aufgenommen wurde.
Diese Ereignisse bedeuten nicht, dass institutionelle Produkte den NEAR-Anstieg direkt ausgelöst haben. Sie liefern aber zumindest eine neue Beobachtungsperspektive: Das Narrativ von NEAR als KI-Infrastruktur bewegt sich allmählich von einer reinen Projekt-Story innerhalb der Kryptoindustrie hin zu einem Bestandteil institutioneller Asset-Allokation.
Intents wird zur wichtigsten fundamentalen Bestätigung für NEAR
Im Vergleich zum relativ abstrakten Label „KI-Blockchain“ ist NEAR Intents derzeit wohl das überzeugendste Produkt des Projekts.
Klassische Cross-Chain-Transaktionen verlangen von Nutzern, sich selbst um Wallets, Gas, Bridges und die Abläufe zwischen verschiedenen Netzwerken zu kümmern. Intents dreht diesen Prozess um: Nutzer müssen nur noch ihr gewünschtes Endergebnis formulieren, und das zugrunde liegende Protokoll sucht und führt den Ausführungsweg aus.
Ein Nutzer kann beispielsweise direkt angeben: „Tausche Bitcoin im Wert von 200 USD gegen einen bestimmten Token auf Solana.“ Das Protokoll wickelt Order-Matching und Ausführung dann über Infrastruktur wie Relayer ab.
Dieses Modell eignet sich besonders für KI-Agenten.
Wenn Agenten künftig eigenständig Asset-Swaps, Zahlungen oder Cross-Chain-Settlements durchführen müssen, ist es für sie nicht praktikabel, wie menschliche Nutzer Wallets anzuklicken, Netzwerke zu wechseln und Gas zu berechnen. Sie benötigen vielmehr eine Handelsschnittstelle, bei der nur das Ziel deklariert wird und die Ausführung automatisch im Hintergrund erfolgt.
Die Daten zeigen, dass Intents bereits eine gewisse Nutzungsskala erreicht hat.
Vor der Integration in Brave Wallet hat NEAR Intents kumuliert über 19 Mio. Swaps und ein Volumen von 14 Mrd. USD über 35 Blockchains abgewickelt.
Dabei entwickeln sich Privacy-Assets zu einer bemerkenswerten Wachstumsrichtung. NEAR Intents unterstützte bereits den direkten Cross-Chain-Tausch von über 100 Token in Zcash (ZEC). In dieser Woche wurde mit Hydration offiziell eine weitere Integration gestartet, die den Cross-Chain-Tausch zwischen ZEC und NEAR ermöglicht.
Das bedeutet, dass NEAR derzeit zwei populäre Marktnarrative miteinander verbindet: auf der einen Seite KI-Agenten, auf der anderen Seite Privacy-Assets, die wieder stärker in den Fokus rücken.
Kapital fließt zu, aber 3 USD bleiben die Schlüsselmarke
Auf der Marktebene beschränkt sich der aktuelle NEAR-Anstieg nicht nur auf den Spotpreis.
Das Open Interest bei NEAR-Futures ist auf rund 656 Mio. USD gestiegen und nähert sich dem höchsten Stand seit 2026. Dabei wachsen Open Interest und Preis synchron.
In der Regel bedeutet ein gleichzeitiger Anstieg von Preis und Open Interest, dass neue Positionen und Leverage-Kapital in den Markt strömen und es sich nicht nur um einfache Short-Eindeckungen handelt. Das kann den Trend verstärken, birgt aber zugleich das Risiko, dass bei einer heftigen Umkehr Liquidationen die Volatilität zusätzlich erhöhen.
Das tägliche Handelsvolumen von NEAR ist auf rund 820 Mio. USD gestiegen und liegt damit deutlich über dem schwachen Niveau des Sommers. Gleichzeitig ist der gesamte in DeFi-Protokollen auf NEAR gebundene Wert an einem Tag um fast 15 % auf rund 150 Mio. USD gestiegen.
Technisch betrachtet notiert NEAR inzwischen über der 20-, 50- und 200-Tage-Linie und bildet eine bullische Anordnung, bei der die kurzfristigen Durchschnitte über den langfristigen liegen.
Doch auch die kurzfristigen Risiken nehmen zu.
Der 14-Tage-RSI von NEAR ist auf etwa 71 gestiegen und befindet sich damit im klassischen überkauften Bereich. In den vergangenen Monaten bewegte sich NEAR hauptsächlich zwischen 1,60 USD und 2,40 USD. Aktuell nähert sich der Kurs der früheren Widerstandszone zwischen 2,85 USD und 3 USD.
Daher ist laut dem Originalartikel nicht die Frage entscheidend, ob NEAR die 3-USD-Marke kurzfristig durchbrechen kann, sondern ob sich der Kurs auf Wochenbasis über diesem Niveau halten kann. Erst wenn aus dem Widerstand der vergangenen Monate eine Unterstützung wird, dürfte sich die bisherige Seitwärtsstruktur substanziell verändert haben.
Bemerkenswert ist, dass der Autor am Ende eine wichtige Einschränkung für die aktuelle Rally formuliert: Zumindest einige Marktteilnehmer haben nach der Analyse der NEAR-Entwicklung im September keinen eindeutigen, überprüfbaren Einzelkatalysator auf Protokollebene gefunden, der den Anstieg vollständig erklären könnte.
Mit anderen Worten: KI, Intents und institutionelle Produkte können erklären, warum NEAR wieder in den Fokus des Kapitals gerückt ist, aber nicht unbedingt den gesamten kurzfristigen Kursanstieg.
Künftig dürften vor allem drei Indikatoren entscheidend sein: ob sich NEAR dauerhaft in der Nähe von 3 USD halten kann, ob das Intents-Volumen weiter wächst und ob ETF- und ETP-Produkte tatsächliche Kapitalzuflüsse verzeichnen.
Wenn sich diese fundamentalen Kennzahlen weiter verbessern, dürfte sich die Bewertungslogik des Marktes für NEAR weiter von einem „KI-Konzept-Token“ hin zu einer „Handelsinfrastruktur im Zeitalter der KI-Agenten“ verschieben. Bleibt das fundamentale Wachstum dagegen hinter dem Preis zurück, könnte der aktuelle Anstieg weiterhin vor allem eine von Narrativ und Leverage getriebene Momentum-Rally sein.
Dieser Inhalt dient nur zu Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Investitionsberatung in Bezug auf BTCC dar. BTCC unternimmt alle Anstrengungen, kann jedoch nicht die Wahrheit, Genauigkeit oder Originalität des oben stehenden Inhalts garantieren.