Brent über 100 Dollar – PPI und CPI im Fokus, Fed-Zinsentscheidung offen

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Heute und morgen veröffentlichen die USA die PPI- und CPI-Daten für August. Gestern Abend durchbrach Brent-Rohöl im Handelsverlauf kurzzeitig die Marke von 100 Dollar pro Barrel, WTI stieg parallel auf rund 95 Dollar – ein deutliches Warnsignal. Die Weitergabe der Ölpreise an die industrielle Produktionskette gilt seit jeher als eines der direktesten und zuverlässigsten Frühsignale für die PPI-Entwicklung. Gleichzeitig zeigen die neuesten Daten des Bank of America Institute (Forschungsinstitut der Bank of America) und des CNBC/NRF Retail Monitor (Einzelhandelsmonitor), dass Kartenumsätze und Einzelhandelswachstum der Verbraucher deutlich abkühlen. Das bedeutet: Selbst wenn PPI und CPI diese Woche durch die Ölkosten passiv steigen, ähnelt die Inflation eher einem Angebotsschock als einer Überhitzung der Nachfrage – und der Zinspfad der Fed ist keineswegs so vorgezeichnet, wie der Markt annimmt.

1. Eskalation zwischen USA und Iran: Wird Öl zur „Zeitbombe“ für den Markt?

Laut CNBC und Rigzone erreichte Brent-Rohöl gestern Abend im Handelsverlauf ein Hoch von 100,45 Dollar pro Barrel, ein Plus von rund 2,9 % gegenüber dem Schlusskurs vom Dienstag von 97,92 Dollar. WTI stieg parallel auf über 95 Dollar, ein Plus von rund 2,4 %. Aus technischer Sicht, so der Markt, durchbricht WTI gerade die seit dem März-Hoch gebildete symmetrische Dreiecksformation; die 100-Tage-Linie hat die 200-Tage-Linie nach oben gekreuzt. Setzt sich der aktuelle Trend fort, ist ein weiterer Test der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar nicht ausgeschlossen.

Aus Sicht der Lieferkette lag der Ölpreis im August überwiegend noch im Bereich von 80 Dollar, seit September hält er sich über 90 Dollar und hat nun die 100-Dollar-Marke überschritten. Anders als der panikartige Impuls im März, als der Konflikt zwischen Iran, Israel und den USA plötzlich eskalierte und Brent an einem Tag auf rund 109 Dollar schoss, um in den Folgemonaten schrittweise zurückzufallen, handelt es sich diesmal eher um einen kontinuierlichen Anstieg, der vom Juli-Tief bei 76 Dollar ausgehend stetig nach oben klettert. Die anhaltend steigenden Rohölkosten dürften über Transport, Chemierohstoffe und Energieeinsatz in den PPI-Daten der kommenden ein bis zwei Monate deutliche Spuren hinterlassen.

2. Schwergewichte der Woche: Können PPI und CPI die Zinsentscheidung im September prägen?

Daten des US Bureau of Labor Statistics zeigen: Der PPI stieg im Juli im Jahresvergleich um 4,7 %, der Kern-PPI (ohne Nahrungsmittel, Energie und Handelsdienstleistungen) ebenfalls um 4,7 %, wobei der Kernwert im Monatsvergleich kräftig um 0,4 % zulegte – ein strukturelles Muster von „insgesamt stabil, Kernwert stärker“. Der August-PPI wird am 10. September um 20:30 Uhr Pekinger Zeit veröffentlicht. Angesichts der zeitverzögerten Weitergabe der Ölkosten ist der Markt bei diesen Daten überwiegend vorsichtig. Institutsprognosen deuten darauf hin, dass der Kern-PPI (ohne Nahrungsmittel und Energie; Juli-Vorwert 4,2 %) das Risiko eines Anstiegs auf rund 4,6 % birgt. Sollte dies eintreten, würde der PPI nach kurzem Rückgang wieder nach oben drehen und möglicherweise den Gesamt-PPI im Jahresvergleich über 5 % heben.

Direkt danach wird der August-CPI am 11. September um 20:30 Uhr Pekinger Zeit veröffentlicht. Der Juli-CPI lag im Jahresvergleich bei 3,4 %, der Kern-CPI bei 2,5 %. Die Markterwartungen gehen davon aus, dass der Gesamt-CPI im August mit hoher Wahrscheinlichkeit unverändert bei 3,4 % bleibt, der Kern-CPI jedoch leicht auf 2,4 % sinken dürfte. Das scheint der Logik des starken Ölpreisanstiegs zu widersprechen – doch der Kern-CPI schließt die Energiekomponente ohnehin aus, und die Weitergabe des Ölpreisanstiegs unterliegt naturgemäß einer zeitlichen Verzögerung. Bemerkenswerter ist: Das US Bureau of Economic Analysis (BEA) hat kürzlich angekündigt, die statistische Methodik für Anlageberatungs-, Rechtsdienstleistungs- und Softwarekomponenten anzupassen. Sowohl Goldman Sachs als auch JPMorgan errechneten, dass diese Anpassung den Kern-PCE-Wert mechanisch um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte nach unten drücken könnte. Mit anderen Worten: Die Kerninflation „wirkt moderater“, was teilweise auf geänderte statistische Abgrenzungen zurückgehen könnte und nicht auf einen tatsächlichen Rückgang des Preisdrucks. Dies ist bei der Interpretation der Freitagsdaten besonders zu beachten.

3. Halten Verbraucher ihr Geld zusammen? Antworten aus Karten- und Einzelhandelsdaten

Sind PPI und CPI das „Fieberthermometer“ der Preisseite, so sind die Konsumdaten der privaten Haushalte der entscheidende Beleg dafür, ob diese Inflation auf „Nachfrageüberhitzung“ oder „Kostendruck“ zurückgeht. Der jüngste Bericht „Consumer Checkpoint“ des Bank of America Institute zeigt: Das Gesamtwachstum der Kredit- und Debitkartenausgaben der Verbraucher im Jahresvergleich fiel von 6,3 % im Juni auf 5,0 % im Juli; ohne Tankstellenausgaben sank es ebenfalls von 5,6 % auf 4,3 %. Der Bericht betont jedoch, dass diese Abkühlung eher auf das Auslaufen temporärer Faktoren wie weltmeisterschaftsbedingter Ausgaben und zeitlich verschobener Online-Aktionen zurückgeht als auf eine umfassende Nachfrageschwäche. Das Juli-Wachstum von 5,0 % im Jahresvergleich zählt weiterhin zu den drei stärksten Werten der vergangenen drei Jahre und liegt mehr als viermal über dem Durchschnitt des Gesamtjahres 2025.

Gleichzeitig zeigen die Daten des CNBC/NRF Retail Monitor, dass der Juli der zehnte Monat in Folge mit positivem Einzelhandelswachstum war, sich die Dynamik jedoch deutlicher verlangsamte: Das Wachstum der Einzelhandelsumsätze ohne Autos und Tankstellen fiel im Jahresvergleich von 9,41 % im Juni auf 5,15 % im Juli. Schließt man zusätzlich die Gastronomieausgaben aus, sank das Wachstum der Kern-Einzelhandelsumsätze von 10,08 % auf 4,72 % – ein Rückgang von mehr als 5 Prozentpunkten.

4. Fed: Warsh gegen Waller – wie viel Spannung bleibt vor der Sitzung am 17. September?

Fed-Gouverneur Kevin Warsh schlug in seiner Rede auf dem Jackson-Hole-Symposium am 28. August einen deutlich hawkisheren Ton an und deutete an, dass die hartnäckig hohe Inflation möglicherweise mit Zinserhöhungen bekämpft werden müsse. Der Markt interpretierte dies weithin als deutlich gestiegene Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf der September-Sitzung. Fed-Gouverneur Christopher Waller erklärte jedoch am 3. September, er neige dazu, eine unveränderte Zinspolitik im September zu unterstützen, falls sich der jüngste Disinflationstrend fortsetze. Damit sind die Markterwartungen vor der Sitzung gespalten.

Ob die endgültige Entscheidung am frühen Morgen des 17. September (Pekinger Zeit) nun eine Zinserhöhung oder ein „Abwarten mit hawkishem Statement“ bringt – der Richtungswechsel ist bereits relativ klar: Die Fed-Erzählung verschiebt sich von „keine weiteren Zinserhöhungen in diesem Jahr“ hin zu „weitere Straffung nicht ausgeschlossen“. Zusammen mit der erwähnten Anpassung der Kern-PCE-Statistik zeigt dies, dass im datenabhängigen Entscheidungsrahmen der Fed das Zusammenspiel verschiedener Teilindikatoren und statistischer Abgrenzungen selbst zu einer Variable wird, die die Markterwartungen beeinflusst.

5. UBS-Kehrtwende: Von „keine Zinserhöhung im Gesamtjahr“ zu zwei erwarteten Erhöhungen – welche Anlagen favorisiert der Riese?

Bemerkenswert ist: Die Analysten der Schweizer Großbank UBS haben ihre bisherige Einschätzung aufgegeben, dass es 2026 keine Zinserhöhungen geben werde, und prognostizieren nun, dass die Fed im September und Dezember jeweils um 25 Basispunkte anheben wird, womit der Leitzinskorridor auf 4,00 % bis 4,25 % steigen würde. Eine zentrale Aussage im UBS-Bericht lautet: „Eine Straffung vor dem Hintergrund robusten BIP-Wachstums, starker KI-Investitionen und eines stabilen Arbeitsmarkts hat historisch Risikoanlagen tendenziell gestützt.“ Dies unterscheide sich grundlegend von einer Situation, in der eine Zinserhöhung zur Inflationsbekämpfung bei schwachem Wachstum erzwungen werde. UBS sieht die aktuelle Lage eher dem ersten Szenario entsprechend – also einer „wachstumsgetriebenen“ statt einer „inflationsgetriebenen“ Zinserhöhung. Auf dieser Grundlage lauten die Asset-Allokationsempfehlungen von UBS wie folgt:

Aktien: Die konstruktive Einschätzung für Aktien über den gesamten Zinserhöhungszyklus bleibt bestehen. UBS favorisiert weiterhin die drei Themen Künstliche Intelligenz, Strom/Ressourcen und Longevity und betrachtet kurzfristige Schwankungen als Gelegenheit zum antizyklischen Einstieg.

Anleihen: Die Prognosen für US-Renditen werden angehoben – das Ziel für die 2-jährige Rendite auf 4,25 % (Juni 2027), für die 10-jährige auf 4,5 %. Die relative Attraktivität kurzlaufender Anleihen hat etwas nachgelassen, doch Qualitätsanleihen mittlerer und langer Laufzeiten behalten ihren Anlagewert: Sie bieten Kuponerträge und können bei nachlassendem Wachstum als Absicherung dienen.

US-Dollar: Die gestiegenen Zinserhöhungserwartungen stützen den Dollar kurzfristig. UBS weist jedoch darauf hin, dass dieser Rückenwind möglicherweise nicht nachhaltig ist, falls sich spätere Zinserhöhungen als „inflationsgetrieben“ statt „wachstumsgetrieben“ erweisen.

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Zu den in diesem Artikel zitierten Datenquellen gehören öffentliche Informationen des US Bureau of Labor Statistics (BLS), des US Bureau of Economic Analysis (BEA), des Berichts „Consumer Checkpoint“ des Bank of America Institute, des CNBC/NRF Retail Monitor, von CNBC, Rigzone, der offiziellen Website der Federal Reserve sowie Research-Berichte von Drittanbietern. Die im Text erwähnten Ansichten, Prognosen und Berechnungen von Drittanbietern spiegeln ausschließlich die Position der jeweiligen Institution wider und stellen nicht die Ansicht oder Einschätzung von BIT dar. BIT hat deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität nicht unabhängig überprüft.

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