NDV Jason: Wie KI und Markt meine Investmentmethode verändert haben

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Autor: NDV Research & Observation | Jason

Die Moderatorin Manlin von Tiger Brokers' „Tiger Talk“ sprach mit Jason Huang, Gründungspartner von NDV. Das Gespräch reichte von Investmenterfahrungen und Methodenwechseln bis hin zu digitalen Vermögenswerten, globaler Makroökonomie, KI-Recherchetools und persönlichen Gefühlen beim Verwalten von Geldern. Im Folgenden nach Themen gegliedert; Ansichten und Fallbeispiele basieren auf den Aussagen in diesem Interview.

In diesem Interview geht es darum, wie Jason seine Investmenturteile bildet und wie er sie ändert, wenn neue Erkenntnisse auftauchen. Was sich durch GBTC, Agrarrohstoffe, MSTR und KI zieht, ist sein wiederholtes Hinterfragen dreier Fragen: Gibt es hinter dem Preis eine Stütze, verstehe ich es tief genug, und kann ich die Zeit aushalten, bis sich das Urteil bestätigt?

 

1. Von Bitcoin zur globalen Makroökonomie

Jason war anfangs im Primärmarkt-Investment tätig, verwaltete später Family-Office-Gelder und gründete 2023 NDV. Gefragt nach den Veränderungen, seit er den Fonds verwaltet, nennt er zuerst den Wandel vom Kaufen-und-Halten hin zur gleichzeitigen Berücksichtigung von Long- und Short-Positionen; zweitens die Ausweitung von Bitcoin-bezogenen Anlagen auf Rohstoffe wie Gold und Öl.

Diese Veränderung hat zwei Gründe. Einerseits sind die Zyklen verschiedener Anlageklassen seiner Ansicht nach nicht synchron; ein breiteres Research-Spektrum erhöht die Auswahlmöglichkeiten und hilft, Schwankungen zu glätten. Andererseits könnte es nach dem Wachstum von Bitcoin länger dauern, bis sich Renditen wie früher vervielfachen. Seine langfristige Sicht auf Bitcoin hat sich dadurch nicht geändert, aber er begann, andere Gelegenheiten ernsthafter zu vergleichen.

Beim Rückblick auf frühe Investments räumt er ein, dass ein erheblicher Teil der Gewinne vom Marktanstieg selbst stammt. Instrumentenwahl und aktive Einschätzungen trugen dazu bei, aber man darf bei Rückenwind nicht alles der eigenen Fähigkeit zuschreiben. Wichtiger ist für ihn, ob die ursprüngliche Methode auch bei ungünstigem Marktumfeld noch funktioniert.

 

2. Der GBTC-Abschlag ließ ihn nach Stützen jenseits des Preises suchen

Nach den FTX-Turbulenzen bemerkte Jason, dass Trusts wie GBTC, die Bitcoin halten, mit einem deutlichen Abschlag gegenüber dem Wert der Basiswerte gehandelt wurden. Manlins entscheidende Frage: Stammt die Billigkeit aus Panik, oder hat der Markt bereits unentdeckte Risiken erkannt?

Jason erinnert sich, dass zu seinem damaligen Vertrauensaufbau Prüfungen durch Dritte sowie die Überprüfung der mit Grayscale verbundenen On-Chain-Wallets durch das Team gehörten. Er versuchte zu beurteilen, ob die zugrunde liegenden Vermögenswerte existieren und wie viel sich verifizieren lässt, um dann abzuwägen, ob der Preis Spielraum für verbleibende Unsicherheit lässt. Der Kern liegt darin, überprüfbare Stützen zu suchen; man darf nicht allein wegen des Kursrückgangs auf Billigkeit schließen.

Daraus entstand auch sein Verständnis von „Non-Konsens“: Nur wenn man bei extremer Marktpessimismus noch klare Belege findet, hat man Grund, anderer Meinung als der Markt zu sein. Dass eine Richtung unpopulär ist, reicht allein nicht aus.

 

3. Wenn relative Preise ins Extreme gehen, muss man trotzdem auf die Zahlen schauen

Bei Öl und Silber erläutert Jason anhand der relativen Preise beider Rohstoffe seine Recherchemethode. Zuerst beobachtet er, ob ihr Preisverhältnis von der historischen Norm abweicht, und prüft dann, ob Angebot, Nachfrage und Marktnarrative diese Abweichung erklären können.

Besonders misstrauisch ist er gegenüber positiven Narrativen, die nach einem Preisanstieg immer zahlreicher werden. Mehr Verwendungszwecke und starke Nachfrage mögen stimmen; aber ob sie einen starken Preisanstieg in kurzer Zeit erklären, muss mit Zahlen geprüft werden. In fremden Bereichen verlangt er eine deutlichere Preisabweichung, um den Erkenntnisrückstand auszugleichen.

In dieser Methode sind extreme relative Preisstände ein Ausgangspunkt für die Recherche. Historisch seltene Preisverhältnisse sagen nicht direkt, wann eine Umkehr kommt, und ersetzen nicht das Verständnis des konkreten Vermögenswerts. Die Erfahrung mit Agrarrohstoffen im Interview zeigt gerade die Schwierigkeit des Wartens.

 

4. Agrarrohstoff-Rückblick: Richtige Einschätzung und Durchhaltevermögen sind zweierlei

Jason hatte geurteilt, dass steigende Ölpreise über die Kostenkette auf Agrarrohstoffe durchschlagen würden, und sich entsprechend positioniert. Nach seinen Angaben stieg er nach einigen Monaten Wartezeit aus, und erst danach trat die erwartete Entwicklung ein. Er nennt diese Erfahrung „kurz vor dem Morgengrauen ausgestiegen“.

Dieser Rückblick liefert keine einfache Antwort nach dem Motto „Durchhalten führt zum Erfolg“. Jason sieht vielmehr klarer: Die Vertrautheit mit einem Bereich beeinflusst, ob man gegenläufige Preisbewegungen aushält; bei fremden Vermögenswerten reicht eine scheinbar plausible Überlegung nicht unbedingt, um langes Warten zu tragen.

Seine Anpassung besteht darin, sowohl die Toleranz beim Preis als auch die Wartezeit zu berücksichtigen. Wie viel Verlust eine Neubewertung erfordert und wie lange man ohne erwartete Veränderung warten darf, bevor man aussteigt, sollte in die Entscheidung einfließen. Dass sich ein Fehler später als zu früh herausstellt, bedeutet nicht, dass die damalige Beschränkung nicht existierte.

 

5. Langfristige Überzeugung und Handelsausdruck lassen sich trennen

Zu MSTR stellt Manlin eine naheliegende Frage: Warum ist man bei langfristig positiver Bitcoin-Sicht bei der entsprechenden Aktie bärisch? Jasons Antwort: Eine positive Sicht auf einen Vermögenswert bedeutet nicht, jederzeit voll investiert sein zu müssen; welches Instrument man wählt, welchen Preis man zahlt und wann man Cash hält, muss getrennt betrachtet werden.

Beim Rückblick auf seinen Stimmungswandel zu MSTR betont er, dass sich auch die von ihm beachtete Evidenz ändert: Signale des Unternehmens, Cash- und Zahlungsdruck sowie die Frage, ob der Markt diese Veränderungen bereits eingepreist hat. Verschlechterte Risiken, die der Preis noch nicht widerspiegelt, und eine verbesserte Finanzlage, während der Markt noch in Panik verharrt, führen zu unterschiedlichen Urteilen.

Der Kern dieses Abschnitts: Auch bei einem langfristig positiv bewerteten Vermögenswert die Fähigkeit zu bewahren, die eigene Sicht anzupassen. Die historischen Beispiele veranschaulichen seinen Entscheidungsprozess und stellen keine Einschätzung der aktuellen Richtung der betreffenden Aktie dar.

 

6. Bitcoin-Research legt zunehmend Gewicht auf die Nachfrageseite

Manlin beobachtet, dass Jason früher mehr über Halving und Vierjahreszyklen sprach, später aber zunehmend auf ETFs, institutionelles Kapital und Dollar-Liquidität achtete. Jason erklärt diese Verschiebung mit dem Wandel der Angebots- und Nachfragekräfte.

Seinem Verständnis nach nimmt mit wachsendem Bitcoin-Bestand der relative Einfluss der Neuausgabe auf den Gesamtmarkt ab; Instrumente wie ETFs ermöglichen mehr traditionellen Finanzmarktgeldern die Teilnahme, wodurch die Nachfrageseite wichtiger wird. Er begann, Bitcoin im Rahmen globaler Vermögenswerte, Währungen und Kapitalflüsse zu untersuchen.

Das bedeutet nicht, dass das Interview beweist, der Vierjahreszyklus sei nicht mehr gültig. Jason beschreibt eine Schwerpunktverlagerung im Research und seine Einschätzung einer weiteren Integration von Bitcoin in das traditionelle Finanzsystem. Breitere Kapitalbeteiligung, institutioneller Aufbau und Branchenvertrauen brauchen weiterhin Zeit.

 

7. Nutzen von Stablecoins und Aktionärsgewinne getrennt betrachten

Neben Bitcoin bewertet Jason Stablecoins im Zahlungs- und Abwicklungsverkehr positiv. Ihm geht es darum, ob Transaktionen schneller und günstiger werden, ob eine Abwicklung rund um die Uhr möglich ist und ob sich tokenisierte Vermögenswerte weiter anbinden lassen. Die Senkung realer Transaktionskosten ist für ihn ein wichtiges Kriterium dafür, ob eine Technologie breitere Akzeptanz findet.

Auf Manlins Nachfrage, wo langfristig die Gewinne anfallen, antwortet er jedoch vorsichtiger. Wie Emittenten, Banken und andere Akteure die Erträge untereinander aufteilen, hängt von Regulierung und Geschäftsbeziehungen ab; Branchenwachstum bedeutet nicht automatisch Aktionärsrendite für ein einzelnes Unternehmen.

Deshalb analysiert er Aktien wieder auf Unternehmensebene: Woher kommen Umsatz und Gewinn, ist künftiges Wachstum plausibel, und ist der aktuelle Preis gerechtfertigt? Bei Vermögenswerten wie Bitcoin betrachtet er den Preis dagegen stärker über Angebot und Nachfrage, relative Größe und potenzielle Käufer. Oberflächlich gehören beide zum Thema digitale Vermögenswerte, dahinter können aber völlig verschiedene Geschäftsmodelle stehen.

 

8. Nach einer Nachricht muss man auch die Preisreaktion beobachten

Zu Regulierungsmeldungen betont Jason, dass er die Preisreaktion nach einem Ereignis beobachtet. Wird intensiv diskutiert, der Preis ändert sich aber nicht entsprechend, fragt er weiter: Wurde die Nachricht bereits vorweggenommen, und entspricht die tatsächliche Wirkung dem Narrativ?

Das setzt dieselbe Gewohnheit wie im Interview fort: erst das Ereignis verstehen, dann prüfen, welchen Preis der Markt dafür zahlt. Dass eine Geschichte plausibel ist, heißt nicht, dass sie noch eine nutzbare Preisdifferenz enthält; eine langfristig positive Branchensicht entbindet nicht vom Vergleich von Instrumenten und Bewertungen.

 

9. KI beschleunigt die Recherche, aber Urteile müssen sich weiterhin bewähren

Jason sagt, das Team habe derzeit keine festangestellten Analysten; er nutzt KI zur Beobachtung verschiedener Rohstoffe, zum Filtern extremer relativer Preisstände, zur Informationsaufbereitung und zur Analyse von Optionsrisiken. Dadurch kann er kostengünstiger auf mehr Anlageklassen zugreifen und mehr Zeit für Fragen aufwenden, die eine tiefere Untersuchung verdienen.

Wenn Informationsbeschaffung und -verarbeitung immer einfacher werden, woher kommt dann noch der Anlagevorteil? Seiner Ansicht nach bleiben Urteilsvermögen und Auswahl wichtig: Ist die Geschichte bereits im Preis enthalten, welchen Kapital- und Zeitbeschränkungen unterliegen verschiedene Anleger, und versteht man selbst die Gründe hinter dem Preis?

Bei konkreten Werkzeugen teilt er seine Erfahrung im Wechsel zwischen Claude Code und Codex und verwendet die Metaphern „Geisteswissenschaftler“ und „Naturwissenschaftler“. Hier geht es um persönliche Nutzungserfahrungen. Wichtiger ist für ihn, ob ein Tool tatsächlich Probleme löst, etwa beim Schreiben, Recherchieren oder bei der Risikoanalyse, statt neue Tools um ihrer selbst willen zu nutzen.

Zugleich räumt er ein, dass er KI zwar intensiv nutzt, aber an entsprechenden Anlagechancen nicht ausreichend teilgenommen hat. Zu geringes Verständnis von Hardware und Fertigung sowie Bedenken gegenüber den Preisen heißer Vermögenswerte haben seine Beteiligung beeinflusst. Er erinnert sich auch selbst daran, dass die mit Bitcoin gewonnene Erfolgserfahrung zu Pfadabhängigkeit führen kann.

 

10. Öffentliche Äußerungen sind Selbstkontrolle und verursachen zugleich inneren Verschleiß

Jason spricht vom Podcast mit mehreren Teilnehmern The Wanderers bis zu seiner persönlichen Sendung „20 Minuten Nicht-Konsens“. Er möchte Urteile festhalten, um sie später erneut zu betrachten: Warum dachte ich damals so, was geschah danach, und wo sind Korrekturen nötig? Kontinuierliches Schreiben, Investorenkommunikation und öffentliche Äußerungen haben diese Funktion.

Er gibt auch zu, dass negative Kommentare ihm zusetzen. Dass öffentliche Äußerungen ihm helfen, bedeutet nicht, dass sie emotional kostenlos sind. Bei der Zeitverteilung legt er zunehmend Wert auf hochwertige Informationen und Austausch, reduziert nicht notwendige Treffen und konzentriert seine Energie auf Dinge, die er für wertvoller hält.

 

11. Fremdes Geld zu verwalten verstärkt das Verantwortungsgefühl

Der Druck beim Verwalten von Geldern umfasst sowohl die Frage, ob Anleger bei Kursrückgängen geschützt wurden, als auch, ob man bei Anstiegen Chancen genutzt hat. Jason meint, dieses Verantwortungsgefühl verstärke im Vergleich zum Verwalten eigenen Geldes den emotionalen Druck und zwinge zugleich zu stärkerer Disziplin.

In der Schnellfragerunde wählt er auf Zehnjahressicht Bitcoin statt Gold und erwähnt, dass er auf das Emissionsvolumen von US-Staatsanleihen achtet. Diese Antworten spiegeln seine persönlichen Einschätzungen wider. Die deutlichste Selbstermahnung des gesamten Interviews lautet, sich bei Gewinnen nicht für einen „Gott“ zu halten: Frühere Erfolge können Erfahrung liefern, aber auch erschweren, neue Chancen und eigene Grenzen anzuerkennen.

Dieser Inhalt dient nur zu Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Investitionsberatung in Bezug auf BTCC dar. BTCC unternimmt alle Anstrengungen, kann jedoch nicht die Wahrheit, Genauigkeit oder Originalität des oben stehenden Inhalts garantieren.

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