Nur eine halbe Stunde! Warsh hält sein Versprechen, weniger zu reden – kürzeste Fed-Pressekonferenz der Geschichte signalisiert neuen Kommunikationsstil
wallstreetcnFed-Chef Warsh gestaltet die Kommunikation der Federal Reserve aktiv um. Nach der ersten Zinserhöhung seit über drei Jahren leitete er eine nur etwa 30-minütige Pressekonferenz – die kürzeste aller Zeiten –, lehnte jegliche Forward Guidance ab und setzte Journalisten des Wall Street Journal und von Reuters in die hinteren Reihen. Weitreichender ist, dass eine Arbeitsgruppe eine umfassende Überprüfung der regelmäßigen Pressekonferenzen eingeleitet hat. Ob das Format nach 2027 fortbesteht, ist derzeit noch ungewiss.
Fed-Chef Warsh setzt sein Versprechen, die Kommunikationsmacht der Zentralbank zu verringern, in die Tat um. Nach der ersten Zinserhöhung der Federal Reserve seit über drei Jahren leitete er eine nur etwa 30-minütige Pressekonferenz – die kürzeste seit Einführung regelmäßiger Pressekonferenzen durch den Fed-Vorsitzenden. Dies markiert einen stillen Wandel in der Art und Weise, wie die einflussreichste Zentralbank der Welt mit den Märkten kommuniziert.
Die Pressekonferenz fand am 16. September in Washington statt und dauerte etwa 30 Minuten. Sie war die kürzeste Pressekonferenz seit Beginn der regelmäßigen Pressekonferenzen des Fed-Vorsitzenden im Jahr 2011. Warsh lehnte jegliche zukunftsgerichtete Aussagen zum künftigen Politikpfad ab und konzentrierte sich auf die Entscheidungen dieser Sitzung sowie die Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage durch die Fed-Vertreter.
Die Auswirkungen dieser Änderung auf die Märkte sind nicht zu unterschätzen. Das Fehlen von Forward Guidance bedeutet, dass Anleger nur schwer die üblichen politischen Signale aus der Pressekonferenz ableiten können. Für die Märkte wird es schwieriger, den geldpolitischen Kurs der Fed vorherzusagen, und das Volatilitätsrisiko steigt. Gleichzeitig prüft eine interne Arbeitsgruppe der Fed das gesamte Kommunikationssystem; auch der Fortbestand der Pressekonferenz selbst ist ungewiss.
Kürzeste Pressekonferenz aller Zeiten: Keine Forward Guidance, nur die aktuelle Wirtschaftslage
Die etwa 30-minütige Dauer der Pressekonferenz lag deutlich unter der üblichen Redezeit früherer Fed-Vorsitzender nach geldpolitischen Sitzungen. Warsh hielt sich strikt an seine zuvor öffentlich geäußerte Position: keine geldpolitischen Prognosen für den Markt, keine Andeutungen über künftige Zinserhöhungen oder -senkungen, sondern lediglich Erläuterungen zu den Entscheidungen dieser Sitzung und zur Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage durch die Fed-Vertreter.
Dies steht in vollem Einklang mit Warshs bisherigen öffentlichen Äußerungen. Er hatte erklärt, der wertvollste Moment einer Pressekonferenz sei, „wenn es etwas Wichtiges zu vermitteln gibt“, und stand einer übermäßigen Kommunikation der Zentralbank skeptisch gegenüber. Zudem äußerte er, er wolle nicht, dass Fed-Entscheidungen auf der Titelseite erscheinen. Bereits im Juni, bei seiner ersten Sitzung als Fed-Vorsitzender, hatte er die Länge der geldpolitischen Erklärung deutlich gekürzt.

Sitzordnung geändert: Journalisten von Wall Street Journal und Reuters nach hinten versetzt
Bei dieser Pressekonferenz gab es eine auffällige Änderung im Detail: Die Fed passte die Sitzordnung im Pressesaal an. Bisher saßen Journalisten großer Zeitungen und Nachrichtenagenturen traditionell in den vorderen Reihen; nun wurde alphabetisch nach Mediennamen sortiert. Dadurch erhielt die AFP einen Platz in der ersten Reihe, während Journalisten des Wall Street Journal und von Reuters nach hinten versetzt wurden.
Diese Regelung bricht mit der langjährigen Vorrangstellung etablierter Mainstream-Finanzmedien bei Fed-Pressekonferenzen und wird von Beobachtern als weiteres Signal für Warshs Neugestaltung der Beziehungen zwischen Fed und Medien gewertet.
Zukunft der Pressekonferenz ungewiss: Arbeitsgruppe nimmt Überprüfung auf
Weitreichendere Veränderungen könnten noch in Vorbereitung sein. Warsh hat fünf Arbeitsgruppen eingerichtet, von denen eine speziell für die Überprüfung des Kommunikationssystems der Fed zuständig ist. Deren Aufgabe umfasst die Bewertung, wie die Fed „geldpolitische Beratungen und Entscheidungen unter Unsicherheit vermittelt“. Laut Bloomberg werden Kommunikationsinstrumente wie die regelmäßigen Pressekonferenzen überprüft; eine Anpassung oder sogar Abschaffung ist möglich.
Bemerkenswert ist, dass Warsh im Juli dieses Jahres zugesagt hatte, die regelmäßigen Pressekonferenzen fortzuführen, diese Zusage jedoch ausdrücklich bis zum Jahresende befristete. Ob das System der Fed-Pressekonferenzen über 2027 hinaus fortbesteht, ist daher derzeit noch ungewiss. Märkte und Medien müssen sich auf mögliche Veränderungen dieses Kommunikationskanals einstellen.
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