Fed erhöht Zinsen wie erwartet – wie viele Schritte folgen noch?
wallstreetcnAnalysten zufolge betonte Warsh, die Inflationstrends genau zu verfolgen, doch vor der Oktober-Sitzung lägen nur Daten eines Monats vor – zu wenig, um einen belastbaren „Trend“ zu erkennen. Im Dezember werde erneut gehandelt. Das Dot Plot zeigt, dass 16 Offizielle noch eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr erwarten, doch die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen hat 5 % überschritten, und Händler preisen einen strafferen Pfad ein, als das offizielle Dot Plot nahelegt.
Die Fed hat nach zwei Jahren Pause die Zinsen wieder angehoben, doch der Schritt um 25 Basispunkte selbst steht nicht mehr im Mittelpunkt – der Markt wettet darauf, wie weit der Straffungspfad tatsächlich reicht.
Die Federal Reserve hat am Mittwoch eine Anhebung des Leitzinses um 25 Basispunkte beschlossen. Die Entscheidung fiel einstimmig und war die erste Zinserhöhung seit Juli 2023. Zugleich erwarten 16 der 19 Offiziellen noch in diesem Jahr eine weitere Anhebung, wobei das Zeitfenster auf die Oktober- oder Dezember-Sitzung deutet. Nach der Bekanntgabe fiel die Marktreaktion stärker aus als erwartet: Die Rendite 2-jähriger US-Staatsanleihen sprang auf den höchsten Stand seit Juli 2024, die Rendite 10-jähriger Anleihen durchbrach die Marke von 5 %.
Wie MarketWatch am 16. September berichtete, wurden die Signale von Fed-Chef Kevin Warsh auf der Pressekonferenz vom Markt so interpretiert, dass er eher dazu neigt, den Oktober auszulassen und im Dezember erneut zu handeln. George Goncalves, Leiter US-Makrostrategie bei MUFG Securities Americas, wies darauf hin, dass Warsh betonte, die Inflationstrends genau zu verfolgen, doch vor der Sitzung am 27. und 28. Oktober lägen nur Daten eines Monats vor – zu wenig, um einen belastbaren „Trend“ zu erkennen. Ira Jersey, US-Zinsstratege bei Bloomberg Intelligence, sagte: „Die Marktpreise scheinen aggressiver zu sein, als das Dot Plot zeigt und als Warsh derzeit vorzugehen bereit ist.“
Einstimmiger Beschluss – „Glaubwürdigkeit“ ist das Schlüsselwort
Die einstimmige Annahme der Zinserhöhung wird von mehreren Analysten als eines der gewichtigsten Signale dieser Maßnahme gewertet.
Laut Berichten erklärte Vincent Ahn, Präsident und Portfoliomanager bei SLW Investments, dass es bei dieser Entscheidung maßgeblich um die Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit der Fed gehe: „Maßnahmen, die Glaubwürdigkeit schaffen, funktionieren nur, wenn alle zustimmen. Eine gespaltene Zinserhöhung würde zeigen, dass die Fed noch über das Problem diskutiert; eine einstimmige Erhöhung bedeutet, dass die Debatte beendet ist.“
Jersey bewertete Warshs Auftritt positiv und nannte es dessen beste öffentliche Rede seit seinem Amtsantritt als Fed-Chef im Mai.
„Er war klar, blieb stets bei der Kernbotschaft und stiftete keine Verwirrung. Seine Kernbotschaft war einfach: Wir haben ein Inflationsziel von 2 %, und das Wirtschaftswachstum ist recht solide.“
Analysten zufolge markiert diese Zinserhöhung eine deutliche Wende in der geldpolitischen Ausrichtung der Fed.
Nach der hohen Inflation infolge der Corona-Pandemie hatte die Fed die Politik rasch gestrafft. Im September 2024 schwenkte sie auf Zinssenkungen um und versuchte eine „weiche Landung“ – also die Inflation bei einem gewissen Zinsniveau allmählich sinken zu lassen, während die Wirtschaft weiter wächst. Viele Offizielle halten die Senkungen jedoch für zu groß, insbesondere die drei Zinssenkungen im Jahr 2025. Die vorherrschende Einschätzung unter Ökonomen lautet, dass die Fed diese drei Senkungen vollständig rückgängig machen muss, bevor sie eine Pause einlegt und die Inflationsentwicklung beobachtet.
Der Inflationsdruck hat seit Jahresbeginn kontinuierlich zugenommen. In ihrer Erklärung erklärten die Fed-Offiziellen, die Zinserhöhung werde „dazu beitragen, zeitnaher zum 2-%-Ziel des FOMC zurückzukehren“. Zunächst neigten die Offiziellen dazu, den durch den Iran-Krieg ausgelösten Inflationsschub zu ignorieren und hielten die Auswirkungen für nicht dauerhaft. Doch da die hohe Inflation mehr als fünf Jahre anhält und Zolldruck sowie geopolitische Konflikte die Preise in diesem Sommer weiter nach oben treiben, haben immer mehr Offizielle die Geduld verloren.
Uneinigkeit über den Pfad 2027 – langfristige Aussichten umstritten
Obwohl der kurzfristige Zinspfad relativ klar ist, sind sich die Offiziellen über den längerfristigen Zinsverlauf uneins.
Bei den Zinserwartungen für 2027 gehen 10 Offizielle davon aus, dass es dann keine weiteren Schritte geben wird, während 8 Offizielle noch eine Anhebung um 25 Basispunkte erwarten. Diese Divergenz zeigt, dass innerhalb der Fed noch kein Konsens darüber besteht, ob die Inflation wie erhofft zurückgeht und ob die Wirtschaft die anhaltende Straffung verkraftet.
Kritiker warnen, die Zinserhöhung erhöhe das Risiko einer „harten Landung“. Warsh erklärte jedoch auf der Pressekonferenz, die Wirtschaft sei derzeit stark genug, um höhere Zinsen zu verkraften. Unterdessen forderte Trump in den sozialen Medien erneut niedrigere Zinsen, ohne jedoch die Fed oder Warsh direkt zu kritisieren.
Nach dem Zinsbeschluss fiel die Marktanpassung stärker aus als erwartet, insbesondere am kurzen Ende.
Die Rendite 2-jähriger US-Staatsanleihen stieg auf den höchsten Stand seit Juli 2024 und spiegelt wider, dass Händler mehr Zinserhöhungen erwarten, als das Dot Plot zeigt. Die Rendite 10-jähriger Anleihen zog nach und durchbrach die Marke von 5 %.
Analysten weisen darauf hin, dass die Marktpreise der offiziellen Fed-Führung bereits vorausgeeilt sind – Anleger setzen auf einen strafferen Pfad, als Warsh derzeit öffentlich signalisiert. Das bedeutet, dass künftig jede Veröffentlichung von Inflationsdaten ein Schlüsselmoment für die Neukalibrierung der Markterwartungen sein wird.
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