Die jüngsten Nutzer, die konservativsten Portfolios
PanewslabAutor: Andjela Radmilac, cryptoslate
Übersetzung: Saoirse, Foresight News
Wie in der Mode holt der Investmentmarkt längst vergessene Trends wieder hervor. Der Krypto-Zyklus der Millennials brachte Dogecoins mit Rendite und neuartige Finanzprodukte mit Food-Themen hervor. Jetzt betritt die Generation Z den Markt – in weiten Jeans und mit Retro-Digitalkameras – und zeigt in diesem Marktsegment ein ausgeprägtes Interesse an traditionellen Anlagen, das dem ihrer Eltern ähnelt.
Weite Low-Rise-Jeans sind wieder im Trend, und die Risikotoleranz ihrer Portfolios sinkt ebenfalls.
Ein Bericht von Binance Research vom 12. August untersuchte, wie verschiedene Generationen die direkten Aktien, tokenisierten bStocks und traditionellen Finanz-Perpetual-Kontrakte der Börse nutzen. Die jüngsten Nutzer handeln nicht häufig mit Hebel und wechseln nicht oft ihre Positionen. Bei allen drei Produkttypen weist die Generation Z die niedrigste Umschlagshäufigkeit unter den erwerbstätigen Altersgruppen auf. Diese Schlussfolgerung basiert auf kurzfristigen Daten von Binance-Nutzern; das direkte Aktienprodukt wurde erst im Juni 2026 in großem Umfang eingeführt.
Die traditionellsten, konservativsten und am wenigsten spekulativen Portfolios im Kryptobereich gehören wahrscheinlich der Generation Z.
(Anmerkung: Die im Text verwendeten Generationeneinteilungen und Geburtsjahre:
- Generation Z: 1997–2012
- Millennials (Generation Y): 1981–1996
- Generation X: 1965–1980
- Babyboomer: 1946–1964)
Eine Rebellion mit Gebühren
ETFs verdeutlichen diesen Generationenunterschied am besten.
Anfang August machten ETFs 25 % des direkten Aktienhandelsvolumens der Generation Z aus, gegenüber 14,6 % im Juni. Bei den Millennials lag der Anteil im gleichen Zeitraum bei nur 9,5 %, was bedeutet, dass der Anteil der Aktientransaktionen junger Menschen in Fonds mehr als doppelt so hoch ist wie bei den Millennials.
Noch aufschlussreicher als das Handelsvolumen ist die Struktur der Mittelzuflüsse in diese Fonds. Im Juni machten ungehebelte ETFs 18,5 % der Nettozuflüsse in Aktien der Generation Z aus, im Juli stieg der Anteil auf 21,9 %; der Anteil der Zuflüsse in Einzelaktien sank von 77 % auf 74,2 %.
Im Juli schrumpfte das gesamte Aktienengagement der Generation Z, die Nettoinvestitionen sanken um 17,4 %, aber die Zuflüsse in ungehebelte ETFs blieben nahezu stabil und gingen nur um 2 % zurück. Die Zuflüsse in Einzelaktien sanken um 20,4 %, die in gehebelte Produkte brachen um 28,5 % ein.
Laut Binance-Daten war die Generation Z im Juli auch die einzige Gruppe, deren Zahl der ETF-Inhaber zunahm, und zwar um 2,9 %; die Zahl der ETF-Inhaber unter den Millennials sank um 4,5 %, bei der Generation X um 5,9 %.
Es ist also nicht so, dass junge Trader zwischen spekulativen Geschäften einfach ein paar S&P-500-ETFs kaufen. Als die Generation Z ihre Gesamtinvestitionen reduzierte, waren ETFs der Bereich, in den sie weiterhin Geld steckten.
Ihre Einzelaktienbestände ähneln zwar nicht vollständig den Portfolios regionaler Pensionsfonds, sind aber auch keineswegs die lotterieartigen Spekulationen, die man gemeinhin erwartet.
In den Konten der Generation Z, die nur kaufen und nie verkaufen, ist der Schwab US Dividend Equity ETF (SCHD) die Position mit der höchsten durchschnittlichen Einzelinvestition in direkte Aktien – 16.567 US-Dollar pro Transaktion –, gefolgt von Broadcom mit 12.370 US-Dollar pro Transaktion. Das Gesamtportfolio ist deutlich auf Halbleiter- und KI-Werte ausgerichtet; beliebte Spekulationsaktien von Privatanlegern wie Tesla und Nvidia weisen bei bStocks jedoch sehr niedrige durchschnittliche Kaufbeträge auf – nur 633 bzw. 514 US-Dollar.
Mit anderen Worten: Die Generation Z bleibt bei Technologie und künstlicher Intelligenz optimistisch, investiert aber keine großen Summen in beliebte Einzelaktien mit enthusiastischen Fangemeinden.
Die Bestandsdaten bestätigen dies. Etwa 22 % der direkten Aktienkonten der Generation Z haben noch nie eine Verkaufsorder aufgegeben, bei der Generation X sind es 19 %, bei den Babyboomern nur 9 %. Die Millennials führen mit 30 % bei „nie verkauft“ und widerlegen damit das Klischee des leichtsinnigen Umgangs mit Geld.
Lockert man die Definition von „nie verkauft“ zu „mehr gekauft als verkauft“, rückt die Generation Z an die Spitze.
Etwa 76 % der bStocks-Konten der Generation Z sind Nettokaufkonten – der höchste Anteil aller Generationen und 9 Prozentpunkte mehr als bei den Millennials. Bei direkten Aktien stocken 77 % der Konten der Generation Z kontinuierlich auf; zum Vergleich: 74 % bei der Generation X und 68 % bei den Babyboomern.
Sie handeln nicht nur weniger. In den Bereichen von Binance, die auf das Halten von Vermögenswerten statt auf kurzfristigen Derivatehandel ausgerichtet sind, kaufen sie meist kontinuierlich zu.
Perpetual-Kontrakte zum Handeln, ETFs zum langfristigen Halten
Noch interessanter wird das Phänomen bei den Perpetual-Kontrakten. Man würde erwarten, dass die mit Kryptowährungen aufgewachsene Generation diese Produkte souverän nutzt. Sie nutzen Perpetual-Kontrakte zwar, aber weniger aggressiv als ältere Nutzer.
Konten der Generation Z führen durchschnittlich 13 Trades mit traditionellen Finanz-Perpetual-Kontrakten pro Monat aus, Millennials 17, Generation X 16,5 und Babyboomer 19. Nur 14 % der Perpetual-Kontrakt-Konten der Generation Z sind Hochfrequenzhandelskonten, weniger als die 18 % bei Millennials und Generation X und sogar weniger als die 16 % bei den Babyboomern.
So ergibt sich ein etwas widersprüchliches Bild: 22-Jährige, die über eine Krypto-Börse Aktien handeln, tätigen weniger Perpetual-Kontrakt-Trades als ihre Eltern aus der Babyboomer-Generation.
Bei gehebelten und inversen ETFs zeigt sich dasselbe Muster. 88,2 % der traditionellen Finanz-Perpetual-Kontrakt-Konten der Generation Z handeln nicht mit gehebelten oder inversen ETFs, bei den Millennials sind es 84,5 %, bei der Generation X 85,9 %. Im bStocks-Bereich meiden 98,9 % der Konten der Generation Z solche Produkte – mehr als in jeder anderen erwerbstätigen Altersgruppe.
Die Babyboomer bleiben bei der Vermeidung von Hebel- und inversen Produkten führend. Insgesamt weisen sie den höchsten Anteil an Konten auf, die Hebel- und inverse Produkte meiden; bei direkten Aktien meiden 98,9 % der Babyboomer solche Produkte, bei der Generation Z sind es 96,5 %.
Die Generation Z ist also nicht vollständig zu Babyboomern geworden. Aber unter den noch nicht im Ruhestand befindlichen Personen ist ihr Anlageverhalten verblüffend ähnlich.
Diagramm zur geringeren Nutzung von Hebel- und inversen Produkten durch die Generation Z (Quelle: Binance Research)
Noch bemerkenswerter ist die klare Trennung zwischen dem, was sie handeln, und dem, wo sie ihr Geld tatsächlich parken.
Im Juli machten gehebelte und inverse ETFs 9,25 % des direkten Aktienumsatzes der Generation Z aus, aber nur 3,93 % der Nettozuflüsse. Anfang August sank ihr Anteil an den Nettozuflüssen weiter auf 2,65 %.
Das zeigt, dass Hebelinstrumente so eingesetzt werden, wie es ihrer eigentlichen Bestimmung entspricht: für kurzfristige Positionen, nicht als Ort für langfristiges Kapital.
Bei traditionellen Finanz-Perpetual-Kontrakten ist es ähnlich. Etwa 60 % der Konten der Generation Z sind Nettokäufer – der höchste Anteil aller Altersgruppen –, aber der Netto-Geldfluss beträgt weniger als 1 % des Gesamtvolumens. Trader eröffnen und schließen ständig Positionen und lassen kaum langfristiges Kapital darin liegen.
Bei Aktienanlagen sieht es völlig anders aus. Die Nettozuflussquote der Generation Z bei direkten Aktien beträgt 26,5 %, mit einem durchschnittlichen Nettozufluss von 1.898 US-Dollar pro Konto.
Dieser Unterschied erklärt, warum ein Blick darauf, ob junge Menschen Perpetual-Kontrakte nutzen, die Wahrheit verschleiert. Sie tun es zwar, aber ihr langfristiges Geld liegt woanders.
Frühere Untersuchungen von Binance zu jungen Investoren liefern eine plausible Erklärung. Die Generation Z macht etwa 44 % der Nutzer von direkten Aktien und bStocks bei Binance aus und 45 % der Nutzer von traditionellen Finanz-Perpetual-Kontrakten; sie ist die größte Nutzergruppe bei direkten Aktien und bStocks und bei traditionellen Finanz-Perpetual-Kontrakten etwa gleichauf mit den Millennials. Über alle Generationen hinweg stammen mehr als 90 % der Nutzer traditioneller Finanzprodukte aus Schwellenländern, wo der Kauf von US-Aktien über lokale traditionelle Broker sehr schwierig ist.
Für einige dieser Nutzer ist die Krypto-Börse tatsächlich der bequemste Broker, den sie erreichen können.
Sie kennen die Plattformoberfläche, ihr Kontoguthaben ist bereits vorhanden, sie können Bruchteile kaufen und außerhalb der regulären US-Handelszeiten handeln. Laut Binance-Daten sind 13 % aller direkten Aktiennutzer Kunden der Generation Z aus Schwellenländern mit Aktienvermögen unter 2.000 US-Dollar.
Damit ist ihr Verhalten gut nachvollziehbar. Die Börse muss nicht jeden jungen Nutzer zum Perpetual-Kontrakt-Trader machen; sie kann auch als Kanal für den Kauf regulärer Anlageprodukte dienen.
Einstiges Kapital, gefangen in Anlagefallen
Dieser Kontrast ist faszinierend, denn viele Finanzprodukte aus den frühen Krypto-Zyklen sind nach traditionellen Maßstäben geradezu verrückt.
Pickle Finance führte Jar- und Farm-Produkte ein, die Erträge anderer Protokolle stapeln konnten; Nutzer erhielten Belohnungen für das Einzahlen von Token. Die Mechanik ergibt finanziell Sinn, aber die Namen klingen wie Rentenprodukte, die in einem Supermarkt mit viel Fantasie entworfen wurden.
ShibaSwap verwendet ebenfalls „Bury“ für das Staking von Token, und die Oberfläche enthält Token-Namen wie SHIB, LEASH und BONE. Die Kryptoindustrie hat Finanzoperationen, die Neulinge ohnehin leicht verwirren, mit meme-artigen Namen versehen.
Ein Jahrzehnt solcher Produkte hat zu der festen Annahme geführt, dass junge Menschen, die im Zeitalter des Dogecoin aufgewachsen sind, sich besser an dieses chaotische, risikoreiche Finanzgebaren anpassen würden.
Doch die Daten von Binance zeigen das Gegenteil: Junge Nutzer lenken einen wachsenden Anteil ihres Aktienkapitals in ungehebelte ETFs, handeln seltener als Millennials und Generation X, und Hebelinvestitionen machen nur einen kleinen Teil ihrer Nettoinvestitionen aus.
Das bedeutet nicht, dass sie Kryptowährungen aufgeben. Eine Umfrage der FINRA Investor Education Foundation und des CFA Institute aus dem Jahr 2023 ergab, dass 55 % der US-Investoren der Generation Z Kryptowährungen halten, und CryptoSlate hat bereits früher über das breite Interesse junger Amerikaner an Krypto-Assets berichtet.
Eine noch interessantere Schlussfolgerung: Die Nutzung von Kryptowährungen und das Streben nach extrem risikoreichen Anlagen waren nie dasselbe.
Für diejenigen, die zum ersten Mal über eine Börsen-App mit den Finanzmärkten in Berührung kommen, ist Binance nicht unbedingt ein rebellischer Ersatz für traditionelle Broker. Es ist einfach die Finanzoberfläche, die sie bereits kennen. Sobald die Plattform Aktien und ETFs anbietet, müssen ihre Anlagepräferenzen nicht den spekulativen Stil der frühen Krypto-Ära nachahmen.
Genau das unterscheidet die Generation Z von Millennials und Babyboomern.
Sie bauen kein klassisches Rentenportfolio auf. Die Allokation in Halbleiter, KI-Einzelaktien, tokenisierte Aktien und rund um die Uhr geöffnete Märkte ist keine Nachbildung der Vermögensverwaltung der 90er Jahre. Aber sie gehen mit diesen Produkten auf eine überraschend altmodische Weise um: kaufen, mehr halten als verkaufen und nicht jede Position mit Hebel versehen.
Jahrelang hat die Kryptoindustrie Finanzen immer wieder neu und skurril verpackt, um junge Menschen anzuziehen. Diese jüngsten Nutzer haben die Plattformoberfläche angenommen, aber die ausgefallenen, risikoreichen Designs verworfen.
Die Mode kann weite Jeans zurückbringen, und die Finanzmärkte erwecken schlichte Anlageideen wieder zum Leben: Vermögenswerte kaufen, langfristig halten und auf stetigen Wertzuwachs hoffen. Dieser Markt bietet für eine solche Wahl durchaus Platz.
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